| ZUM TEXT | | Das Familienhandbuch des Staatsinstituts für Frühpädagogik (IFP) ZUM MENÜDie schlechte Nachricht: Das Leben wird teurer. Die gute Nachricht: Dagegen läßt sich etwas tun - Die Devise heißt sparenErnst A. Swietly Unser Leben und das unserer Kinder werden Schritt für Schritt trüber und vor allem aufwendiger als je zuvor. Es sei denn, wir selbst sorgen für Abhilfe. Von der Politik ist wenig bis nichts zur Lösung der Kostensteigerungen und Belastungslawine zu erwarten. Im Gegenteil: Der Griff des Staates in unsere Taschen wird zunehmend brutaler und unverfrorener. Der Umgang der den Menschen von öffentlichen Händen als Steuern, Abgaben, Solidaritätsbeiträge abgenommenen Gelder wird zunehmend sorgloser. Zur Lösung gibt es zwei Alternativen: (1) Wir versuchen über unser persönliches Engagement, den Kurs der Politik in Richtung Sparsamkeit, Kostensenkung, Abbau der übertriebenen Verwaltungsbürokratie und besserer Wirkung öffentlicher Ausgaben zu lenken. (2) Wir setzen bei uns selbst an und sparen überall dort, wo das noch möglich ist. Damit geben wir der Politik ein Verhaltensmuster vor. Mit den folgenden Tipps zum Sparen im eigenen Einflußbereich wird aufgezeigt, daß unser Spielraum für Einsparungen im täglichen Leben noch sehr weit ist und konkret genutzt werden sollte. Konkrete Tipps zum Sparen im eigenen Einflußbereich
- Das Vorbild der Eltern prägt die Kinder für ihr gesamtes Leben. Weder Lehrer/innen noch Idole noch Politiker/innen entfalten jene gute Wirkung, die ein liebevolles, weitsichtiges und solides Familienleben entfaltet. Überlassen Sie die Erziehung fürs Leben weder dem Kindergarten noch der Schule, den Massenmedien, Vereinen oder politischen Institutionen; diese sind dazu weder entsprechend vorbereitet noch zeitigt deren Einfluß konkrete Erfolge - die tägliche Wirklichkeit zeigt das klar.
- Es hat wenig Sinn, wenn in der Familie nur einer spart, nur einer nach Kosten-Nutzen-Abwägungen entscheidet und wirtschaftlich überlegt lebt. Es ist lohnender und motivierender, wenn die ganze Familie an einem Strick in dieselbe Richtung zieht. Auch wenn es auf den ersten Blick mühsam und wenig ergiebig erscheint, ist es trotzdem nützlich, z.B. konsequent die Lichter in unbenutzen Räumen zu löschen, die Heizung in der Nacht oder während der täglichen Abwesenheit der Familie zu drosseln, überheizte Räume nicht durch Öffnen der Fenster zu kühlen oder die Stand-by-Schaltung von Elektrogeräten zu vermeiden, denn das bringt zusammengenommen beträchtliche Einsparungen. Bedenken Sie, daß allein die eingeschaltete Stand-by-Funktion von Computern, TV- und Hi-Fi-Geräten in einem Land so viel Strom verbraucht, daß allein dafür mehrere zusätzliche Kraftwerke betrieben werden müssen!
- Wenn eine Familie alle Ausgaben und alle Anschaffungen gemeinschaftlich sorgsam plant, diese betragsmäßig dem verfügbaren Nettoeinkommen anpaßt, dann werden die Kinder diesen Stil für ihr Leben übernehmen. Im Normalfall ist es gewiß nicht nötig, ärmlich oder geizig zu leben, nur um viel Geld zu hamstern. Aber man sollte jeden Euro vor dem Ausgeben zweimal umdrehen und überlegen, ob das, was man kauft, tatsächlich dem gewünschten Zweck entspricht. Man sollte prüfen, ob nicht ein anderes Angebot die Wünsche und Erfordernisse besser erfüllt bzw. welche Folgen die geplante Anschaffung auf das Einkommen und den Zusammenhalt der Familie haben wird. Für jede größere Ausgabe sollte das günstigste Angebot - das ist nicht immer das billigste! - bevorzugt werden.
- Vor größeren Anschaffungen, die außerhalb des täglichen Bedarfs liegen, sollten Sie mehrere verbindliche Angebote einholen, diese sorgfältig miteinander vergleichen und unüberlegte Spontankäufe vermeiden. Diskutieren Sie im Familienkreis die Vor- und Nachteile aller vorliegenden Angebote - egal, ob es sich um eine Ferienreise, ein Auto, eine Wohnung, eine Einrichtung, eine Versicherung oder eine Geldanlage handelt. Notieren Sie die dabei vorgebrachten Pro- und Kontra-Punkte und ziehen Sie eine Schlußbilanz. Damit legen Sie die Grundlage für eine rationale wirtschaftliche Entscheidung: So sollte immer der materielle und ideelle Nutzen im Vordergrund stehen, den eine Anschaffung mit sich bringt, nicht deren eingebildeter Eindruck auf Freunde, Nachbarn oder Kollegen. Bedenken Sie das Sprichwort: "Heutzutage kaufen die Menschen mit Geld, das sie nicht haben, Dinge, die sie nicht brauchen, nur um andere zu beeindrucken, die sie nicht mögen."
- Lassen Sie sich nicht von werbewirksam aufgemachten Schnäppchen, Billigaktionen oder Ausverkäufen ins Boxhorn jagen. Je mehr Überredungskunst hinter einem Kaufangebot steckt, je lauter die Werbetrommeln dafür geschlagen, je drastischer die Preisvorteile herausgestellt werden, um so vorsichtiger sollten Sie beim Kauf von "einmaligen Gelegenheiten" sein und um so kritischer den vorgeblichen Preisvorteil prüfen.
- Lassen Sie sich nicht von kurzfristigen Trends, von "Ins" und "Outs" gefangennehmen. Hinter sämtlichen Modewellen - egal ob es sich um Bekleidung, Sportarten, Spielzeug oder Songs handelt - steht ein ausgetüftelter, aufwendiger Propaganda-Apparat, der Sie unter starken psychischen Kaufzwang stellen will. Die Überredungskünste und Überzeugungsstrategien, die unvorbereitete Käufer/innen zum Geldausgeben verleiten, ist eine wissenschaftliche Disziplin, die immer mehr verfeinert wird. Millionenbudgets werden für Marketingkampagnen eingesetzt, um damit Milliardenumsätze mit eher weniger nützlichen Dingen oder Leistungen zu machen. Die Konsumenten werden so zum Erwerb von Sachen überredet, die sie schon nach wenigen Monaten satt haben, weil sie wenig bis gar nichts nützen oder bereits eine andere Modewelle eingezogen ist. Die teuer erworbenen Dinge landen früher oder später im Müll und erhöhen nur die Umweltabgaben, nicht aber die Lebensfreude ihrer Besitzer/innen.
- Schauen Sie sich in Ihrer Wohn- und Arbeitsumgebung nach Fabriks- oder Direktverkäufen, neuerdings auch "Outlets" genannt, um. Dort erhalten Sie Markenwaren häufig billiger als im Einzelhandel. Achten Sie bei einer solchen Einkaufsgelegenheit nicht nur auf den niedrigeren Preis, sondern auch darauf, daß die angebotenen Waren von vergleichbarer Qualität und Aktualität wie im Fachhandel sind. Fallen Sie nicht auf scheinbare Schnäppchen herein, die preisgünstig, weil Ladenhüter sind. Viele Einzelhändler besorgen sich extra für Ausverkäufe billige Ware zum Verschleudern, die sich qualitativ von der normalen Ware stark unterscheidet.
- Nutzen Sie Kunden-, Treue-, Vorzugs- und andere Arten von Einkaufskarten von Handelsketten aus, die Ihnen Einkaufsrabatte in Aussicht stellen. Lassen Sie sich durch solche Kundenbindungsaktionen aber nicht dazu verführen, Waren, die Sie nicht wirklich brauchen, nur deswegen zu kaufen, um schnell an den versprochenen Rabatt heranzukommen - dann kaufen Sie nämlich teurer als ohne. Bedenken Sie: Treueaktionen dienen ausschließlich dem Ziel, Kund/innen zu ursprünglich nicht geplanten Einkäufen zu verführen und so den Umsatz und Gewinn des jeweiligen Handelsunternehmens zu maximieren.
- Hören Sie sich in Ihrem Freundes- und Bekanntenkreis um, ob es dort Besitzer/innen von Einkaufskarten für Wiederverkäufermärkte - etwa Metro - gibt. Wenn Sie größere Anschaffungen von längerlebigen Konsumgütern (z.B. Waschmaschinen, TV-Apparate, Computermaterial, Hi-Fi-Anlagen, Gartengeräte, Werkzeug, Bekleidung, Schuhe, Wohnungsausstattung) planen, lassen Sie sich vom Kartenbesitzer bei dessen nächstem Besuch in seinen Wiederverkäufermarkt mitnehmen und profitieren Sie dort von den um die Einzelhandelsspanne verminderten, also niedrigeren Kaufpreisen. Sollten Sie selbst Unternehmer sein oder dank Bezügen aus selbständiger Tätigkeit beim Finanzamt zur Einkommensteuer veranlagt werden, haben Sie in vielen Wiederverkäufermärkten die Chance auf eine eigene Einkaufskarte.
- Gewöhnen Sie sich an, nicht immer das zu tun, was alle anderen auch gerade tun. Verhalten Sie sich, wann immer es Ihnen möglich ist, antizyklisch: das ist günstiger. Fahren Sie z.B. möglichst nicht dann auf Urlaub, wenn es alle anderen auch tun. Leider werden viele Menschen durch die Termine der Schulferien veranlaßt, gerade dann auf Erholung zu fahren, wenn es am teuersten, unbequemsten, riskantesten und streßigsten ist. Manche Länder, so etwa Deutschland, schicken ihre Schulkinder und Industriearbeiter gleichzeitig in die Ferien, um die Einbußen der Wirtschaft durch Urlaube möglichst niedrig zu halten. Gewaltige politische und unternehmerische Lobbies stecken hinter dieser Entscheidung, die enorme Verkehrsstaus auf den Hauptrouten provoziert und die Preise in den Ferienorten auf Hochsaison-Niveau emporschraubt, die persönlichen Erholungschancen der Menschen aber ebenso minimiert wie die Produktionsausfälle in den Unternehmen.
- Das Abkoppeln vom Trend ist auch anderweitig ratsam. Kaufen Sie z.B. nie Wertpapiere, Aktien oder Fondsanteile, wenn deren Kurse gerade mächtig im Steigen begriffen und die Medien voll mit Erfolgsberichten sind. Sie kaufen dann teuer und riskant, weil jedem steilen Aufstieg ein markanter Rückfall folgt. Kaufen Sie Aktien oder Fonds, wenn deren Kurse längere Zeit hindurch im Sinken sind; dann sind sie preiswert und chancenreich, weil jedem Abschwung in der Regel ein neuer Aufstieg folgt. Bedenken Sie die alte Börsianerweisheit: "In der Baisse muß man investieren, um in der Hausse zu kassieren."
- Kaufen Sie keine Wertpapiere, Aktien, Fondsanteile oder Anleihen, wenn Sie sich in der internationalen Wirtschaft nicht auskennen und die Veränderungen von Konjunktur, Unternehmenschancen oder Währungskursen noch nicht durchschaut haben. Trauen Sie bei der Anlage Ihres Geldes nur dem eigenen Hausverstand und dem eigenen Wissen, nicht den Überredungskünsten Fremder oder falscher Freunde.
- Viele "Vermögensberater", "Anlageexperten" und "Erfolgssysteme" geben vor, immer nur Ihr Bestes zu wollen. Unter "Bestes" verstehen diese meist Ihr ehrlich und schwer verdientes Geld! Sehen Sie sich daher vor, mit Ihnen persönlich unbekannten, bei der Tür hereingeschneiten oder per Massensendung annoncierten Anlageberater/innen Geldgeschäfte zu machen, diesen Einblick in Ihre Verdienst- und Vermögensverhältnisse zu geben oder gar Verträge zu unterschreiben, die Sie auf längere Zeit finanziell binden. Hinter vielen so genannten Anlageberatern stecken keine Geldexperten, sondern professionelle Strukturvertriebe. Das sind gut organisierte Vertreterkolonnen, die auf der Suche nach leichtgläubigen Opfern feldzugmäßig ein bestimmtes Gebiet durchkämmen, an den Haustüren klopfen und ihre meist problematischen Produkte an den Mann und an die Frau zu bringen versuchen. Wem immer Sie Ihr Geld zur ertragreichen Veranlagung anvertrauen, er sollte eine feste Adresse im Inland, einen Ihnen bekannten Namen und eine profunde Erfahrung haben.
- Bei der Geldanlage sollten Sie immer mehrere Angebote von unterschiedlichen Banken oder unabhängigen Investmentfachleuten miteinander vergleichen. Ebenso wichtig wie die in Aussicht gestellte Verzinsung ist die Sicherheit jenes Unternehmens, dem Sie Ihr Geld anvertrauen (beachten Sie dessen Rating!). Wichtig für Sie als Anleger ist auch die Höhe allfälliger Gebühren, des Honorars und der Provision, die Ihnen von der erzielten Rendite abgezogen werden. Lassen Sie sich diese Beträge vor Vertragsabschluß schriftlich geben und den sich nach diesen Abzügen übrigbleibenden Nettoertrag Ihrer Anlage ausrechnen. Nur dieser ist für die Beurteilung der Güte einer Veranlagung ausschlaggebend. Werbeaussagen über die bisherige Rendite einer Anlageform sind wenig aussagekräftig, denn sie informieren nicht über die Zukunftsentwicklung - nur diese ist aber für Sie maßgebend.
- Riskante Geldanlagen wie Aktien, Fonds, Währungsprodukte oder Immobilien - auch wenn sie Ihnen im Augenblick noch so exzellent erscheinen - sollten Sie grundsätzlich nie mit Kredit kaufen, sondern nur mit jenem Geld, das Sie auf mehrere Jahre hindurch nicht zum Leben benötigen und daher ohne Probleme auf die hohe Kante legen können. Man nennt das persönliches "Spielkapital". Der Ertrag von Geldanlagen schwankt im Laufe der Zeit oft sehr stark. Wenn Sie einmal unversehens Ihr Anlagekapital angreifen wollen, weil Sie eine dringende Anschaffung machen müssen, könnte es durchaus der Fall sein, daß gerade zu diesem Zeitpunkt der Verkaufskurs Ihrer Wertpapiere oder Immobilien besonders ungünstig ist, so daß Sie einen schlechten Ertrag erzielen. Sie sollten daher langfristige und riskante Geldanlagen höhenmäßig so bemessen, daß Sie mit deren Liquidierung auf günstigere Zeiten warten können. Wer sein Vermögen ertragreich veranlagen möchte, muß einen langen Atem haben.
- Geld sollte man nie auf eine einzige Karte setzen! Ratsam ist es, sein Vermögen auf verschiedene Laufzeiten, gemischt in unterschiedlichen Risikoklassen und in differenten Anlageformen anzulegen - das so genannte "System Tausendfüßler". Wenn dieser einen seiner Füße verliert, besitzt er 999 andere, die weiter funktionieren. So ist es auch bei der Geldanlage: Wenn eine Form versagt, im Kurs verliert, an Attraktivität einbüßt und die in sie gesetzten Erwartungen enttäuscht, entwickeln sich andere Anlageformen gewiß besser, so daß der Verlust der einen Form durch den Gewinn einer anderen Form wettgemacht wird. Das kann nur dann klappen, wenn Sie Ihr Geld überlegt verteilen und nicht auf eine einzige Form konzentrieren.
- Auch wenn das virtuelle oder Plastikgeld immer mehr um sich greift, sollten Sie nicht zu knapp bei Kasse sein, so daß Sie immer bar bezahlen können. Das bringt Ihnen bei größeren, nicht alltäglichen Anschaffungen die Chance auf Preisrabatt, den Sie allerdings vor dem Kauf couragiert beim Verkäufer unter Hinweis auf die Barzahlung ansprechen sollten. Wenn Sie dadurch zwei oder drei Prozent Abzug vom Rechnungspreis erwirken, bringt Ihnen das einen höheren Vorteil, als wenn Sie die Rechnung mit Kreditkarte zahlen und Ihnen der nicht rabattierte Kaufpreis später vom Konto abgebucht wird. Die Verzinsung auf Ihrem laufenden Bankkonto - falls es diese überhaupt gibt - ist nämlich so gering, daß Sie dort nie einen Zinsvorteil in der Höhe realisieren können, den Sie durch einen Kaufrabatt erwirkt haben.
- Wenn Sie einmal wirklich knapp bei Kasse sein sollten - das kommt auch bei sorgsamen Menschen gelegentlich vor -, sollten Sie Ihr Bankkonto nicht ins Minus abgleiten lassen. Überziehungszinsen, die Ihrem Konto von der Bank angerechnet werden, sind gewaltig höher als wenn Sie mit Ihrer Bank schon im Voraus einen Konsum-, Wohnungs- oder Autokredit vereinbaren und diesen für Ihre Anschaffung nutzen. Sie sollten auch in unserer cash-armen Zeit immer genau wissen, welchen Stand Ihr laufendes Geldkonto hat, so daß Sie nicht unabsichtlich ins Minus und damit in die unerbittliche Zinsmühle der Banken rutschen.
- Wenn Sie Geld kurzfristig zusammenkommen lassen, um in absehbarer Zeit eine größere Anschaffung zu tätigen, lassen Sie es nie auf Ihrem normalen Girokonto liegen. Selbst wenn es dort verzinst werden sollte, decken die geringen Zinsen nicht einmal die Preissteigerungsrate. Sie erleiden mit dieser Art des "Sparens" also einen Wertverlust. Übertragen Sie kurzfristig freie Guthaben auf ein Sparbuch - gute Banken tun das in Ihrem Auftrag sogar automatisch - und lassen Sie sie dort z.B. auf ein halbes oder ganzes Jahr binden, das bringt Ihnen höhere Zinsen. So schlagen Sie zumindest der Inflation ein Schnippchen und erhalten die Kaufkraft Ihres Ersparten.
- Wenn Sie Ihr Guthaben auf etwas längere Zeit veranlagen können, denken Sie an staatlich geförderte Sparformen oder an den Kauf fix verzinster Anleihen. Der Ertrag dieser Geldanlagen ist in aller Regel, selbst abzüglich der Kapitalertragsteuer, höher als die durchschnittliche Preissteigerungsrate.
- Wenn Sie sich versichern lassen, dann tun Sie auch das mit Überlegung und unter Heranziehung verschiedener Angebote. Diese Angebote sollten sowohl Ihre künftige laufende Nettobelastung mit Versicherungsprämien als auch den Leistungsumfang der Versicherung enthalten, aber auch die Leistungsausschlüsse im einzelnen festlegen. Dabei sollten Sie das Preis-Leistungs-Verhältnis als Grundlage Ihrer Entscheidung heranziehen - niemals bloß die Prämienhöhe. Eine etwas höhere Prämie könnte Ihnen nämlich unter Umständen zusätzliche Versicherungsleistungen bringen, die sich im Schadenfall für Sie günstig auswirken.
- Eine Versicherung, die zwar etwas höhere Prämien hat, dafür aber viele Nebenleistungen wie Assistance, Rund-um-die-Uhr-Beratung und andere hilfreiche Kundendienste anbietet, kann attraktiver sein als eine scheinbar günstige Billigversicherung, wo Sie sich um alles selbst kümmern müssen. Auch die prompte Zahlungsbereitschaft einer Versicherung im Schadensfall sowie die mehr oder weniger ausgeprägte Versicherungsbürokratie bei der Schadensabwicklung sind wichtige Kriterien für Ihre Entscheidung, wer Ihr künftiger Versicherer sein soll. Hören Sie sich im Freundes- und Kollegenkreis um, welche Versicherungen schnell und unkompliziert, welche umständlich und zögerlich zahlen, und treffen Sie danach Ihre Entscheidung.
- Weil die Versicherungen EU-weit völlig liberalisiert sind und die alten, gut vergleichbaren, weil standardisierten Versicherungsverträge durch eine unüberschaubare Fülle sehr unterschiedlicher Versicherungsverträge ersetzt worden sind, gleicht heute kaum mehr ein Versicherungsvertrag dem anderen. Es ist daher ratsam, sich vor Abschluß einer Versicherung von einem unabhängigen - das heißt keiner Versicherung verpflichteten - Versicherungsmakler mehrere Angebote einholen zu lassen und mit ihm dann deren Pros und Kontras zu vergleichen. Versicherungsmakler/innen bringen mehr Transparenz in unterschiedliche Versicherungsangebote und helfen Ihnen bei der Entscheidungsfindung. Dies ist in aller Regel kostenlos. Die Makler/innen, ebenso die Außendienstmitarbeiter/innen einer Versicherung, werden durch die ansehnliche Provision entlohnt, die sie für den getätigten Versicherungsabschluß ausbezahlt erhalten.
- Alles, was eine Versicherung leisten soll, muß schriftlich festgelegt sein. Nur dann können Sie sicher sein, daß die Versicherung klappt. Mündlich vereinbarte oder telefonisch besprochene Leistungen können Sie vergessen. Im Schadenfall gelten sie nicht.
- Die Versicherung läuft erst dann, wenn Sie eine Deckungszusage erhalten. Das heißt, die Versicherung oder Ihr Versicherungsmakler muß Ihnen schriftlich mitgeteilt haben, daß Ihr Versicherungsvertrag "in Deckung genommen" worden ist. Sollten Sie es mit dem Versicherungsschutz besonders eilig haben, können Sie die Deckungszusage auch per Fax oder Email erwirken. Das Unterschreiben des Versicherungsvertrags oder die Einzahlung der ersten Prämie allein sind noch nicht der Start Ihres Versicherungsschutzes.
- Sie sollten regelmäßig etwa alle vier bis fünf Jahre Ihre laufenden Versicherungen daraufhin durchsehen, ob sie noch Ihren Wünschen und Vorstellungen sowie Ihrem derzeitigen Bedarf entsprechen. Eine spezielle Sportversicherung z.B., die Sie einst als aktiver Teen oder Twen abgeschlossen haben, paßt vielleicht nicht mehr zu Ihrer neuen Rolle als etablierter Familienvater. Doppel- oder Überversicherungen helfen Ihnen im Schadenfall wenig bis gar nichts. Es kommt beispielsweise häufig vor, daß spezielle Reise- oder Urlaubsversicherungen abgeschlossen werden, obwohl ein gleicher oder ähnlicher Schutz bereits in der Kredit-, einer Kunden- oder einer Vereinskarte enthalten ist. Unterversicherungen sind hingegen peinlich, weil Sie im Schadenfall nur einen Teil Ihres nachgewiesenen Verlustes ersetzt bekommen, obwohl Sie regelmäßig Ihre Prämien bezahlt haben. Manche Versicherungen schließen inzwischen das Risiko von Unterversicherungen in ihren Verträgen aus, was aber meist eine etwas höhere Prämie kostet. Auch Selbstbehalte im Versicherungsvertrag sind etwas Negatives, wenn ein entsprechender Schaden eintritt und Sie trotzdem einen Teil davon aus eigener Tasche berappen müssen. Jeder Selbstbehalt ist allerdings durch einen Prämienaufschlag "wegzuversichern". Das regelmäßige Überprüfen Ihrer Versicherungen ist auch deshalb ratsam, weil dank des freien europäischen Versicherungsmarktes immer wieder neue, günstigere Versicherungspakete mit neuen Leistungsbereichen angeboten werden, die gerade für Sie attraktiver sein können als Ihre alte Versicherung.
- Wenn Sie einen Schadenfall erleiden und Ansprüche an Ihre Versicherung haben, müssen Sie diese ausreichend belegen und begründen. Es liegt in Ihrem eigenen finanziellen Interesse, Schadensmeldungen rasch und vollständig an Ihre Versicherung zu senden. Am besten ist es, wenn Sie Fotos der Schäden selbst anfertigen oder anfertigen lassen. Sie sollten die Folgewirkungen von Schäden erst dann beseitigen, wenn Sie der Versicherung Gelegenheit gegeben haben, diese durch ihre Fachleute feststellen zu lassen - sonst gibt es leicht Streit. Die Höhe der Schadenvergütung richtet sich immer nach dem versicherten Wert. Ist dieser im Vertrag zu niedrig angesetzt, erhalten Sie nur einen Teilersatz und müssen den Rest selbst tragen.
- Unterschreiben Sie Abfertigungserklärungen - Bestätigung jener Schadensumme, die Sie als Wiedergutmachung erlittener Schäden von Ihrer Versicherung erhalten - nur dann, wenn der Schaden vollständig und vertragsgemäß festgestellt und beglichen wurde. Unterschreiben Sie nie Blankoerklärungen!
Autor
Ernst A. Swietly ist seit 40 Jahren Wirtschaftsredakteur in Österreich. Nach 30 Jahren Dienst im ORF war er Sprecher der österreichischen Elektrizitätsindustrie und ist jetzt selbständiger, freier Journalist in Wien. Er schreibt regelmäßig Beiträge über Wirtschaftspolitik, Konjunktur, europäische Integration, Verkehrs- und Umweltfragen, Energie, Geldanlage, Banken, Versicherungsfragen und Steuerpolitik. Adresse
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