ZUM TEXTHauptmenüHauptseiteFamilienhandbuch-Forum Stichwortsuche von A bis ZAktivitäten mit KindernAngebote/Hilfen Behinderung Elternschaft Ernährung Erziehungsbereiche Erziehungsfragen Familie und Beruf Familienbildung Familienforschung Familienpolitik Gesundheit Häufige Probleme Haushalt/Finanzen Jugendforschung Kindertagesbetreuung Kindheitsforschung Kindliche Entwicklung Leistungen für Familien Partnerschaft Rechtsfragen Schule Teil- und Stieffamilien Trennung/Scheidung VerschiedenesImpressumKontakt | ZUM MENÜWenn Kinder beißen, treten, schlagenBeate Weymann Kinder beißen (treten, schlagen) andere Kinder. Eltern reagieren hierauf mit Unverständnis, Empörung, Wut oder Ohnmacht und Verzweiflung. Versagensgefühle können sich einstellen. Verschiedene Arten von AggressionSpielerische AggressionEs ist überall zu beobachten, dass Kinder sich untereinander angreifen, dass sie mit Lust und Spaß Verfolger und Verfolgte (Räuber und Gendarm) spielen. Kinder testen aus, wie weit ihre Kräfte reichen und erforschen so ihren eigenen und den fremden Körper. Spielerische Aggressionen sind also nichts Ungewöhnliches. Man kann sogar sagen, dass Aggressionen teilweise dazu benutzt werden, Kontakt aufzunehmen bzw. zu festigen. Aggression wird im ursprünglichen Wortsinn mit "sich an jemanden wenden" übersetzt. Die positive Deutung "auf jemanden zugehen" oder "etwas in Angriff nehmen" ist möglich. Die spielerische Aggression, wo sich Kinder zwar laut, aber ohne Ernst balgen, und Möglichkeiten, wie mit Konflikten umgegangen werden kann, ausprobiert werden, zählen hierzu. Der Sinn von Aggressionen besteht auch darin, dass ein Kind, das vernachlässigt wird, mit Hilfe einer aggressiven Handlung auf sich aufmerksam macht. Und das gelingt meist, da Erwachsene dazu neigen, auf das Negative stärker als auf etwas Positives zu reagieren.Kindern, die über viel Temperament und Energie verfügen, hilft es, wenn sie ihren Überschuss in Form von spielerischem Gerangel entweder bei Freunden oder innerhalb der Familie loswerden. Die Regeln hierfür sind aber glasklar: Nur spielerisch wird gekämpft. Wehtun und Verletzungen sind absolut tabu. Wird sich nicht daran gehalten und artet der Kampf aus, zieht dies sofort und unumstößlich das Ende des Gerangels nach sich. Hierbei lernen Kinder ihre körperlichen Kräfte einzuschätzen (die Erwachsenen könnten ja auch mal - aber nicht immer!!) mit Absicht die Kinder gewinnen lassen. Außerdem lernen sie Rücksicht (was muss ich tun, damit ich den anderen nicht verletze?) und die Bedeutung von Regeln. Kissenschlachten, Einschlagen auf einen "Boxsack", Judo, Karate u.ä. sind sehr nützlich, wenn man sich austoben möchte, gleichzeitig aber gewisse Regeln gelten. Im Spiel und in der Fantasie ist es selbstverständlich erlaubt, Aggressionen auszuleben. Denn es hat keinen Sinn, Aggressionen zu leugnen. Aggressionen als DruckmittelBereits Kleinkinder merken schnell, dass sie ihre Körperteile als "Waffen" gebrauchen können. Auch wenn der erste Biss oder Schlag noch eher zufällig auftritt, merken sie anhand der Reaktionen auf diesen Biss etc., wozu so etwas gut ist. Sie lernen durch diese Reaktion, dass man mit Beißen und Schlagen Aufmerksamkeit und Zuwendung erhält (wenn auch negativer Art), dass man damit andere Kinder beherrschen kann. Da das Kind sich sicher sein kann, auf derartiges Fehlverhalten Aufmerksamkeit zu erhalten und es diese sucht, ist der Weg für eine Verfestigung dieses Verhaltens geebnet. Aggressives Verhalten nimmt in den ersten drei Lebensjahren ununterbrochen zu. Hierbei ist festzustellen, dass Jungen schon im ersten Lebensjahr fast immer aggressiver als Mädchen sich verhalten. Wenn jüngere Kinder ein Problem noch nicht in Worte fassen können und noch keine vernünftigen Arten der Selbstbehauptung und Durchsetzung kennen, tendieren sie zu der körperlichen Ausdrucksform.Ab Ende des dritten Lebensjahres gewinnen Kinder zunehmend die Einsicht, dass angemessenere und klügere Möglichkeiten als körperliche Angriffe existieren. Dieses gelingt am besten, wenn sich die Eltern dazu nicht einmischen. Im Allgemeinen ist es so, dass Kinder sehr gut in der Lage sind, selbständig ihre Konflikte unter sich zu lösen. Allerdings muss ihnen Raum und Zeit dafür zugestanden werden. Trotzdem sind auch Sechs- und Siebenjährige teilweise noch nicht in der Lage, Streitigkeiten auf sprachlicher Ebene zu bereinigen und ziehen deshalb die körperliche Ausdrucksweise vor. Weiß man als Erwachsener nicht, worum es bei dem Streit geht, sollte man sehr vorsichtig bezüglich einer Einflußnahme sein. Es kann auch grundsätzlich nur dazu geraten werden, sich möglichst aus Streitereien rauszuhalten, denn Kinder streiten und vertragen sich schnell wieder, sagen auch meist Gegensätzliches, wenn es darum geht, wer mit dem Streit angefangen hat. Sie sollten sich darin üben dürfen, fair zu streiten und alleine den Konflikt zu schlichten. Schaffen die Kinder es alleine, sich wieder zu vertragen, so haben sie erneut einen Schritt in Richtung Selbständigwerden vollzogen. Es lässt sich festhalten, dass an "aktiven Aggressionen" (offene Aggression) insofern etwas Positives ist, als das sie klar und eindeutig sind. Jemand, der eine Wut verspürt, zeigt sie unmissverständlich. Dieses ist insofern vorteilhaft, da gewisse Gefühle, die in der Gesellschaft negativ besetzt und auch wenig akzeptiert sind, offen zu Tage treten und so das Gefühlsleben eingeschätzt werden kann. Verstecktes aggressives VerhaltenUmgekehrt ist man in einer schwierigen Situation, wenn man mit "passiven Aggressionen" konfrontiert wird. Hierbei werden Wut, Zorn und Verzweiflung bzw. Ablehnung in einer versteckten Art und Weise dargelegt. Der Aggressive kann sich nicht offen zu seinen negativen Gefühlen bekennen, sondern äußert sie nur so, dass er sich quasi jederzeit wieder herausreden kann. Motto: "War was? Ich habe doch nur Spaß gemacht. Es war nicht ernst gemeint." Vor allem beim weiblichen Geschlecht kann man diese versteckten Aggressionen finden. Bei Mädchen und Frauen werden gesellschaftlich nämlich immer noch nicht Aggressionen toleriert. Zu passiven Aggressionen gehören diese Verhaltensweisen: bewusst links liegenlassen und ignorieren; böse, vernichtende Blicke; stumme Vorwürfe; tagelanges Schweigen; depressives Jammern und Klagen; Intrigen; üble Nachrede und Verleumdungen; übertriebene, "faule" Freundlichkeit etc..Probleme mit WidersprüchenDas Fatale hieran ist, dass Doppelbindungen entstehen, d.h. Widersprüche zwischen Worten und Taten sind zu beobachten. Beispiel: Jemand sagt: "Natürlich bin ich dir nicht böse." Gleichzeitig deutet der Tonfall und der Gesichtsausdruck, also die Mimik und Gestik auf eine Wut. Der "Aggressive" leugnet seine Wut verbal - das ist relativ einfach. Schließlich kann man seine Worte kontrollieren. Den Gesichtsausdruck, d.h. die Mimik zu beherrschen, fällt dagegen schon wesentlich schwieriger, gelingt zumindest oft nicht. Zumindest ist Otto Normalbürger nicht darin geübt (schließlich ist man kein Schauspieler). Noch unmöglicher ist es, die Gestik zu kontrollieren. Die meisten wissen gar nicht, was sie mit ihren Füßen z.B. machen (anhand der Stellung der Füße, der Körperhaltung etc. kann viel abgelesen werden). Dieses Deuten der nonverbalen Zeichen geschieht von dem Beobachter sekundenschnell - nur derjenige, um den es geht, dem ist nicht bewusst, was er gerade für einen Eindruck erweckt hat. Beispiel: Jemand verschränkt die Arme. Dieses wird als Reserviertheit, Ablehnung gedeutet. Derjenige, der so schön die Arme verschränkt, macht es vielleicht aus bloßer Gewohnheit - zumindest meint er das.Sinnvolle Perspektiven von AggressionFestzustellen ist, dass auf eine versteckte Aggression niemand angemessen reagieren kann. Die verdeckte Aggression löst beim Gegenüber ebenfalls Wutgefühle hervor. Vielleicht umso mehr, da der Konflikt keinesfalls vom Aggressiven zugegeben wird, man sich also im Kreis dreht und keine Lösung in Sicht ist. Schließlich taucht vielleicht das Gefühl auf, dass irgendeiner von den beiden "verrückt" sein muss. Wer täuscht sich denn nun? Derjenige, der meint, aufgrund des nonverbalen, schwer fassbaren Verhaltens eine Aggression zu spüren oder der, der betont, nicht aggressiv zu sein, andererseits aber doppeldeutige Botschaften verschickt?Aggressionen haben demnach schon einen Sinn. Zeigt man negative Gefühle offen, so wissen die Mitmenschen, woran sie mit einem sind und dass sie eine Grenze überschritten haben. Es ist nötig, anderen Grenzen zu setzen. Dieses sollte auch ein Kind schon früh lernen. Selbst im Sport wäre nichts ohne eine gewisse Aggression möglich. (Man muss schon von dem Willen beseelt sein, gewinnen zu wollen, d.h. gegen die anderen anzukämpfen, besser als die anderen sein zu wollen). Im zwischenmenschlichen Bereich wirkt man kaum glaubwürdig, wenn man in gewissen Situationen ruhig und beherrscht bleibt. Wie soll ein Kind glauben, dass es geliebt wird, wenn die Eltern es hinnehmen, dass diesem von Mitschülern weh getan wird und sie nicht wütend werden? Wie kann ein Mann glauben, dass es seiner Freundin ernst ist, wenn es sie nicht stört, dass er Verabredungen nicht einhält? Eine gesunde Selbstbehauptung sollte ein wichtiges Erziehungsziel darstellen. Gegenüber Menschen, die einem Böses wollen, die einen verletzen, zu nahe treten oder wie auch immer Grenzen verletzen, muss man sich wehren. Dazu braucht man ein gesundes Maß an Aggressivität. Es wäre also falsch zu glauben, dass es ohne Aggressivität geht und diese nur eine negative Seite inne hat. Es geht letztendlich auch nur darum, wie man auf längere Sicht gesehen, damit umgeht. Man kann sich schon mal prügeln, mal lautstark schreien, mal ein bißchen beißen - nur darf es nicht bei diesem Verhalten bleiben. Vor allem darf es nicht insofern ausarten, dass z.B. richtige Wunden durch das Beißen entstehen; nur noch geschrien wird, ständig Prügeleien vorkommen. Menschen, die zu stark auf Harmonie aus sind, die Schwierigkeiten besitzen, kämpferisch aufzutreten, weisen ja trotzdem Wut, Zorn, Verzweiflung etc. auf. Die Aggressivität, die sie nicht nach außen zeigen können, richtet sich dann oft nach innen, gegen sich selbst in Form einer Depression oder Suchtmittelabhängigkeit. Dieses stellt ja wohl keine erstrebenswerte Perspektive dar!! Eine Aggressivität im Rahmen des Erträglichen ist insofern als gesund und angemessen anzusehen. Auf alle Fälle ist dieses eine angemessenere Verhaltensweise als sich z.B. die eigenen Haare büschelweise auszureißen, sich mit Absicht Wunden zuzufügen u.ä.. Auch im besten Elternhaus kommen Wut, Trauer, Enttäuschung, Niederlagen, Frustrationen, Verzweiflung, Ablehnung etc. vor. Deshalb sollte man auch keine Probleme damit haben, wenn Kinder derartige Gefühle empfinden und zeigen wollen. Grundsätzlich ist es immer besser, Gefühle sofort (nicht erst zu Weihnachten oder am Wochenende) zu zeigen, damit die Spannung und der Druck rechtzeitig entweichen kann. Und was wichtig ist: Damit die anderen einen einschätzen können und eine Lösung auffindbar ist. Das ist natürlich anstrengend und belastend, solche Gefühle beim anderen zu entdecken und nicht unterdrücken zu wollen. Gedanken machen sollte man sich über Kinder, die nie Aggressionen zeigen genauso wie über solche, die nur körperlich ihre Wünsche und Bedürfnisse durchsetzen wollen. Beides sind bedenkliche Entwicklungen und sollten hinterfragt und geklärt werden. Weshalb verhalten sich manche Kinder übermäßig aggressiv?Teilweise sind die Ursachen im häuslichen bzw. familiären Umfeld zu suchen: Bei Kindern werden die Aggressionen, die man zuhause nicht los wird, nicht dem Verursacher gegenüber anwenden kann, abgelassen.Andererseits gibt es Kinder (meist Knaben), deren Temperament so beschaffen ist, dass sie schnell und heftig wütend werden. Kinder, die sich schnell angegriffen fühlen, wehren sich aus Angst und Unsicherheit auf körperliche Art und Weise. Körperlich Schwächere bekommen dann ihren Wutanfall hautnah zu spüren. Im Grunde lässt sich aber sagen, dass bei stärkeren Aggressionen immer im familiären Bereich etwas im Argen liegt. Sowohl größere familiäre Probleme wie Scheidung, Tod eines Elternteils, Gewalt (Gewalt zieht Gewalt nach sich; Kinder kennen kein anderes Problemlösungsschema) als auch emotionale Kälte und Vernachlässigung sind als Ursache der gesteigerten Aggressivität einzustufen. Sowohl Schicksalsschläge als auch Gewalt der Eltern den Kindern gegenüber und / oder untereinander bzw. gegenüber Menschen außerhalb der Familie können demnach ursächlich sein. Wenn Kinder kaum noch wahrgenommen werden und ihnen nicht ausreichend Interesse und Anteilnahme entgegengebracht wird, ihnen also die notwendige Geborgenheit und Liebe verweigert wird, schafft das eine mangelhafte Grundlage, auf der Fehlverhalten, wie z.B. Beißen, Schlagen, Treten u.ä. entstehen können. Auch Veränderungen wie Umzug, Einschulung, die Geburt eines Geschwisterchens u.ä. lassen Unsicherheiten und eine gewisse Trauer entstehen. Es ist bei Kindern nicht anders als bei Erwachsenen: Wut lässt sich besser aushalten als große Traurigkeit oder Angst. So kann es passieren, dass nach einer Veränderung im obigen Sinne Aggressionen zu Tage treten. Überforderungs- und Stresssituationen lassen Aggressionen entstehen. Hohe Leistungsanforderungen von Eltern und / oder Schule können zu einer Entmutigung beim Kind führen. Frustrationen über das eigene Versagen können auch auslösend sein. Fühlt sich ein Kind durch jemanden herabgesetzt oder beleidigt, den es nicht angreifen darf (z.B. die Lehrerin, den viel älteren Jungen, den Vater, u.ä.), so kann es schon vorkommen, dass die dabei entstandene Wut an anderen Kindern, v.a. körperlich schwächeren, ausgelassen wird. Besitzen die Eltern wenig Selbstvertrauen und leiden unter Überforderung und Überlastung, so hat dies oft zur Folge, dass das Familienklima ziemlich negativ beschaffen ist. Schimpfen, Streit und Gereiztheit sind an der Tagesordnung und dieses wirkt sich auch auf die Kinder aus. Die heftigen Konflikte innerhalb der Familie werden dann in dem aggressiven Verhalten der Kinder widergespiegelt. Die Ursachen eines übermäßig aggressiven Kindes können in zu engen oder aber in fehlenden Grenzen liegen. Überbehütung und strenge Erziehung nehmen den Kindern die Chance, alleine einen Konflikt zu bereinigen. Die Eltern sind so einengend und kontrollierend, dass das Kind kaum in die Lage versetzt wird, es zu lernen, mit anderen Kindern auszukommen. Dieser Druck entweicht durch Aggressionen gegenüber anderen Kindern, wenn die Eltern mal nicht anwesend sind oder nicht aufpassen. Sind gar keine Grenzen vorhanden, so meint das Kind, sich alles erlauben zu dürfen und schreitet soweit voran, bis ihm irgendwann einmal eine Grenze (dann von fremden Leuten) gesetzt wird. Bei Laissez- faire existiert nicht genug Orientierung und Halt für die Kinder. Mit der gefühlten Unsicherheit kann nicht anders umgegangen werden, als sie mit Hilfe von körperlichen Attacken auf andere zu bekämpfen. Was kann man tun, wenn das eigene Kind beißt?An erster Stelle steht hier, dass man sich fragt, warum es dazu kommt. Ursachenforschung sollte also betrieben werden. Gab es irgendetwas Außergewöhnliches in der Familie in letzter Zeit bzw. überhaupt? Notfalls kann man auch das Kind selbst in einer ruhigen Minute danach fragen: Wo drückt dir der Schuh? Was für einen Kummer hast du denn? Sag mir doch bitte, was mit dir los ist, damit ich dir helfen kann und es dir bald wieder besser geht! Ich mache mir schon Sorgen und bin ganz traurig, weil du dich so verhältst.Ist der Grund gefunden, d.h. eine wirklich belastende Sache existiert, so lohnt es sich, Mitgefühl und Interesse zu bekunden. Sicherlich ist schon ein Sprechen über diese Angelegenheit in gewisser Weise eine Entlastung (Herz ausschütten). Auch ist man überzeugt, dass wenn das Problem benannt werden kann, also nicht mehr so diffus im Raum schwirrt, ein weiterer Schritt in Richtung Konfliktlösung getan wurde. Es geht also zu Anfang immer darum, sich erstmal mit den Ursachen zu beschäftigen und das Problem zu formulieren. Anschließend lässt sich besser über Lösungsmöglichkeiten nachdenken. Bei belastenden Situationen (Scheidung, Tod, Umzug z.B.) ist es sicher angebracht, viel Verständnis und Rücksichtnahme anzuwenden. Auf der anderen Seite steht natürlich auch fest, dass ein gewisses Verhalten nicht toleriert werden kann und wird. So sollte man schon unmissverständlicherweise klarmachen, dass gewalttätige Formen der Auseinandersetzung nicht in Ordnung sind. Auf alle Fälle muss gegen dieses Fehlverhalten angegangen werden - auch mit der notwendigen Konsequenz. Eine gute Methode ist auch hier das "Time- out", die Auszeit. Hiermit ist gemeint, dass die beiden Streithähne für eine Zeit lang getrennt werden bzw. das Kind erstmal aus dem Raum gebracht wird. Es ist völlig belanglos, wenn die Kleinen darauf mit Protest reagieren. Zaudern und Unsicherheit der Eltern in diesem Moment ist gänzlich fehl am Platz und zudem das Vorhaben noch erschwerend. Auf diese Art und Weise gewinnen die Kinder Abstand von der aufreibenden Situation. Sie werden gezwungen, sich mit einer anderen Sache zu beschäftigen. Und wenn sie noch so wütend sind, und meinen, dass sie nie, nie diese Kränkung vergessen werden und sich bei nächster Gelegenheit rächen wollen - irgendwann haben sie es satt, ihrem Ärger weiter Nahrung zu geben und konzentrieren sich dann wieder auf irgendein Spiel. Falls das geschieht, haben sie gelernt, dass die Welt nicht untergeht, wenn man sich mal nicht körperlich wehrt. Auf dem Weg zu VerhaltensänderungenDas Kind muss spüren, dass es mit dauerhaft und / oder massivem aggressivem Verhalten nicht weit kommt und es keinesfalls geduldet wird. Es lohnt sich, dem Sohn oder der Tochter aufzuzeigen, dass man erwartet, dass es sein Verhalten schnellstens ändert. Dass das Kind sich in einer schwierigen Situation befindet, wird zwar eingesehen - es soll auch die notwendige Unterstützung und Hilfe erhalten, aber dieses darf kein Freifahrtschein für schlechtes Verhalten sein. Wird über die heftigen Aggressionen hinweggesehen, versteht das Kind diese Reaktion als Zustimmung. Die Not des Kindes berechtigt nicht dazu, anderen weh zu tun, sie zu verletzen mit Worten und Taten - und dieses womöglich unbegrenzt.Dem Kind sollte vor Augen geführt werden, dass man sich mit körperlichen Angriffen nicht beliebt macht und so keine Freunde gewinnen kann. Und schon gar nicht kann auf die Eltern dieses Motto: "Der Stärkste gewinnt!" Eindruck machen. Denn irgendwann erwartet man von jedem, sein Problem gelöst zu haben und sich mit etwas abgefunden zu haben. Nur weil die Eltern sich scheiden lassen haben z.B., darf nicht dem Kind ("das arme Kind, es hat soviel mitgemacht!") zugestanden werden, sich in seiner Bemitleidungstour häuslich einzurichten. Wenn es Kindern darum geht, Grenzen auszutesten, ist das Eingreifen der Eltern gefragt. Der Sinn dieses Verhaltens besteht darin, dass ihnen gesagt und gezeigt wird, wie weit sie gehen dürfen. Es ist sehr wichtig, dass die Eltern ihren Kindern diese Orientierung vermitteln. Nur wenn die Eltern Konflikte abseits vom Faustrecht klären, lernt das Kind ein derartiges vernünftiges Verhalten. Folgen der OpferrolleEs kommt vor, dass ein Kind dieses aggressive Verhalten in einer Situation gelernt hat, wo es "Opfer" war, d.h. es war solange friedlich, bis ein anderes Kind es permanent körperlich angegriffen hat und es dann irgendwann einmal zurückschlug. In dem Moment merkte es, dass es ein viel besseres Gefühl ist, "Täter" zu sein und die "Opferrolle" hinter sich zu lassen. Nun hat es Angst, von dieser "sicheren" Ebene wieder auf eine friedliche Umgangsweise herunter zu kommen. Es denkt: "Was ist, wenn dann ein anderer mich gleich wieder attackiert? Ist es nicht zu gefährlich, mich so verletzlich zu zeigen? Habe ich nicht früher gelernt, dass ich mit friedlichem Verhalten nicht weit gekommen bin?" Hier ist ein Hindernis zu erkennen: Wer bisher so "stark" aufgetreten ist mit Angriffen, bekommt Zweifel, dass es auch ohne Macht gehen kann. Motto: "Was werden die anderen denken, wenn ich plötzlich nicht mehr zuschlage und mit Reden, also weich, das Problem lösen möchte?" Jemand, der mit Gewalt ganz gut gefahren ist (zumindest die Kinder beherrscht hat), wird Angst haben, sich auf einer wackligen Ebene zu versuchen. Deshalb ist es wie so oft natürlich viel besser, wenn sich das Kind gar nicht erst in dieser "die- Fäuste- sprechen- lassen"- Mentalität einrichten konnte. Je eingefahrener diese Mentalität ist, desto schwieriger wird es werden, sie sich wieder abzugewöhnen.Aus diesem Grunde lohnt es sich, Kindern von klein auf einen Weg aufzuzeigen, der andere Methoden zur Konfliktlösung vorsieht. Dieses gelingt am besten, wenn man ein angemesseneres Verhalten vorlebt. Eine verstärkte Hinwendung zu den positiven Eigenschaften und Verhaltensweisen sollte stattfinden. Beispiel: Das Kind kann ausgezeichnet malen und zeichnen. Insofern müsste es hierin vermehrt unterstützt, gefördert und gelobt werden. Vielleicht mit dem Kauf von besonders schönen Malstiften. Oder mit der Anmeldung zu einem Malkurs, den eine ortsbekannte Künstlerin leitet (bei der Volkshochschule). Oder dadurch, dass man die Bilder von dem Kind bei einem Malwettbewerb teilnehmen lässt. Kinder müssen insofern gestärkt werden, dass sie daran glauben und sich vorstellen können, auch ohne Einsatz von körperlichen Mitteln durchzukommen. Das Selbstbewusstsein muss eine Stärkung erfahren. Strafen und ihre negativen FolgenMan muss hier darauf hinweisen, dass eine Bestrafung des Übeltäters zu einer Verfestigung des Fehlverhaltens führen kann. Im Grunde hat er die Aufmerksamkeit und Hinwendung erhalten, die er verlangt. Vielversprechender ist ein Vorgehen, bei dem der Konflikt noch mal verbal und sachlich dargestellt wird. Beispiel: "Ihr wollt also gerade beide alleine in dem neuen Buch blättern. Dieses gelingt nicht. Jetzt gibt es mehrere Möglichkeiten: Entweder einer schaut rein und der andere macht was anderes in der Zeit. Nachher wechselt ihr oder ihr guckt zusammen rein." Man kann auch die Kinder selbst nach Lösungen suchen lassen (ab vier Jahren ca.), was sicherlich sich vorteilhaft auswirkt in Bezug auf das Selbständigwerden.Förderliche ReaktionenKinder werden oft von den eigenen Aggressionen geradezu überrannt. Diese starken Gefühle sind ihnen selbst unheimlich. Insofern kann es angebracht sein, das Kind festzuhalten und ihm Körperkontakt zu ermöglichen. Ruhe und Sicherheit in dieser Situation zu vermitteln, wo das Kind außer sich ist vor Wut, ist sicher ratsam. Auch wird es angemessen sein, auf das Gefühl des Kindes einzugehen. Beispiel: "Ich kann verstehen, dass du dich jetzt so ärgerst. Erwachsene sind manchmal auch unwahrscheinlich aufgebracht. Nur besser fühlt man sich durch die Wut nicht. Eigentlich geht es einem erst dann besser, wenn man loslässt. Versuche, dich mit etwas Schönem erstmal abzulenken. Wenn du das Ganze etwas gelassener siehst, denke nochmal darüber nach - dann findet sich eine Lösung des Problems viel eher.Die Eltern müssen hier eine Gradwanderung zwischen dem Gefühl- annehmen und einer Grenzziehung bewerkstelligen. Das Gefühl ist zwar okay - allerdings muss an der Art und Weise, wie es umgesetzt wird, gearbeitet werden. Verletzungen sind Alarmsignale. Hier stimmt etwas absolut nicht mehr!! Eine derartige Aggressionssteigerung lässt auf übermächtige Unsicherheit und Ängste schließen. Das Beißen und Schlagen wird dazu benutzt, um die eigene Angst zu mildern und abzustellen. Ein ernsthaftes Problem besteht dann, wenn nur noch über körperliche oder / und verbale Attacken Kontakt aufgenommen wird. Aber auch, wenn körperliche Aggressionen wie Beißen und Schlagen über einen längeren Zeitraum (ab ca. sechs Monaten) nicht verschwinden. In diesem zuletzt genannten Fall sollte nicht länger mit dem Besuch bei einem Kinderpsychologen oder Kinder- und Jugendlichen- Psychotherapeuten gewartet werden. Muss ich meinem Kind raten, sich zur Wehr setzen, wenn es angegriffen wird?Am besten ist es, wenn man seinem Kind beibringt, sich ganz individuell, der Situation entsprechend, zu verhalten. Es wäre ja auch dumm, dem Kind zu raten, sich grundsätzlich körperlich zu wehren und es vielleicht an jemanden gerät, der doppelt so groß und schwer ist, wie es selbst. Das Kind sollte selbst entscheiden dürfen, ob es sich körperlich wehren möchte und kann oder nicht. Ist es total körperlich unterlegen, macht diese Methode sicherlich überhaupt keinen Sinn. Andererseits sollte es auch so erzogen werden, dass es die körperliche Unterlegenheit eines anderen nicht ausnutzt (z.B. einen wesentlich jüngeres Kind angreift). Motto: Den kann ich leicht fertigmachen. Da werde ich natürlich den Kampf eröffnen. Kann sich ein Kind grundsätzlich nicht mit körperlichen Gegenangriffen anfreunden, muss man das hinnehmen und nicht womöglich noch dazu auffordern. Etwa dieses sagen: Wenn du dich nicht wehrst, werden sie nie mit dem Sticheln aufhören und du wirst erst dann Ruhe bekommen, wenn du ihnen gezeigt hast, dass du dir nicht alles gefallen lässt, sie ein bißchen Angst vor dir haben.Strebt das Kind dazu, sich körperlich zu wehren, so ist dies erlaubt. Allerdings nur, wenn es im Rahmen des Erträglichen bleibt. Artet der Kampf aus, so ist das nicht in Ordnung. Verletzungen dürfen nicht auftreten. Auch nicht Sachbeschädigungen. Wer will schon ständig seine Versicherungen für kaputt gegangene Brillen, Fensterscheiben, zerschnittene Pullover etc. bemühen? Es ist angebracht, dem Kind zu erklären, dass es schlau sein kann, einfach nur wegzulaufen (wenn man keine Chance hat, etwas viel Wichtigeres anliegt wie z.B. Unterrichtsbeginn, etc.). Genauso vorteilhaft kann es sein, wenn man sich nicht provozieren lässt und den Aggressor einfach versucht abzulenken. Motto: Der hat ja wieder schlechte Laune, weil er noch müde ist oder weil er zuhause wieder viel Zoff hatte. Man sieht hieran, dass es auch nützlich sein kann, wenn das Kind die Gründe für das provozierende Verhalten kennt bzw. versucht herauszufinden. Kann das Kind Verständnis für den Störenfried aufbringen, ist es eher in der Lage, ruhig zu bleiben und das Ganze sachlich einzuordnen. Zum Streiten gehören bekanntlich zwei und reagiert der eine nicht gefühlsmäßig verletzt, so erledigt sich das Ganze von selbst. Insofern ist es auch teilweise angebracht, auf stur und unnahbar zu schalten. Nach dieser Devise zu verfahren: Ich lasse mich nicht provozieren. Dieses wird dem Störenfried auf die Dauer zu langweilig und er lässt mich in Ruhe. Oft ist der Anlass auch so geringfügig oder langweilig, weil es gestern erst um das gleiche Thema ging, dass Kinder nicht gewillt sind, sich auf einen Konflikt einzulassen. Sollte der Fall eintreten, dass ein Kind hoffnungslos überfordert ist, muss man sich selbstverständlich einschalten. Ist eine Verletzungsgefahr schon gegeben, muss schnell die Gefahr ausgemerzt werden (einer hat einen spitzen Gegenstand in der Hand u.ä.). Es darf nicht geduldet werden, dass körperlich deutlich unterlegenere angegriffen werden. Hier sollte klargestellt werden, dass das ein feiges, wenig ehrenhaftes Benehmen darstellt. Auch muss darauf geachtet werden, dass nicht unfaire Methoden zum Einsatz kommen: Zwei Kinder machen sich über ein Kind her. Aus dem Hinterhalt wird nicht angegriffen usw.. Präventivmaßnahmen oder wie man es besser machtKinder benötigen Liebe und Anteilnahme. Genauso wichtig ist aber auch, dass den Kindern Grenzen aufgezeigt werden. Es spielt eine entscheidende Rolle, wie Eltern mit Konflikten umgehen (löst man sie einvernehmlich, sachlich oder gewinnt der Stärkste?). Kinder müssen lernen, dass nicht alles möglich ist und dass Verzicht teilweise unverzichtbar ist. Konnte man seinen Kindern vermitteln, dass es geeignetere, vorteilhaftere Wege gibt, einen Konflikt zu lösen als zu beißen, zu treten, zu schlagen, zu kneifen etc., dann hat man viel getan, um ein angemessenes Konfliktverhalten auch in der Zukunft beobachten zu können. Bereinigt man Konflikte durch sachliche Argumente und Diskussionen, wendet weder Schüsse unter die Gürtellinie, noch subtile Aggressionen und Manipulationen an, so lebt man seinen Kindern ein ideales Konfliktmanagement vor. Selbstverständlich darf auf kindliche Aggressionen nicht mit Gegengewalt vonseiten der Eltern reagiert werden. Denn das wäre ja geradezu absurd.Die besten Chancen, ein friedfertiges Kind zu erziehen, sind dann gegeben, wenn folgendes zutrifft:
FazitDie Gratwanderung für die Eltern sieht so aus, dass zwar Wut und Zorn gezeigt werden dürfen und müssen (damit sie sich nicht anderswo entladen), andererseits von den Kindern aber verlangt wird, Strategien zu entwickeln, wie man angemessen mit Konflikten zurechtkommt und niemals Verletzungen und Sachbeschädigungen zur Diskussion stehen.Bestehen körperliche Aggressionen wie Beißen, Treten, Schlagen mehr als sechs Monate ununterbrochen, so muss zu einem Besuch einer Beratungsstelle (Erziehungsberatungsstelle, Kinderpsychologe, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut) geraten werden. Aber auch, wenn nur noch über Aggressionen Kontakt aufgenommen wird, sollten die Alarmglocken schrillen. Literatur
Christine Nöstlinger: Anna und die Wut, Jugend und Volk Verlag (für Kinder ab 4 Jahren zu empfehlen) Autorin
Beate Weymann | ||
Letzte Änderung: 28.11.2008 16:01:49 |